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Sexuelle Identität und Sexuelle Orientierung

Die sexuelle Identität ist das grundlegende Selbstverständnis der Menschen davon, wer sie als geschlechtliche Wesen sind, wie sie sich selbst wahrnehmen und wie sie von anderen wahrgenommen werden wollen.

 

Es gibt einige Autoren, die sich mit dem Thema der sexuellen Identität auseinandersetzen, da es bisher keine allgemeingültige Definition gibt. In Uwe Sielerts Buch „Einführung in die Sexualpädagogik“ beschreibt dieser die sexuelle Identität als „ein theoretisches Konstrukt ‚mittlerer Reichweite‘, das einerseits komplex genug ist, um die Zusammenhänge zwischen den pluralisierenden Geschlechterrollen, sexuellen Orientierungen (Hetero-, Homo- und Bisexualität) und Lebensweisen zu erfassen, das andererseits Teilidentitäten, so z. B. zur beruflichen Identität und kulturellen Identität noch analytisch in Beziehung gesetzt werden kann“[1].

Margret Göth und Ralph Kohn beschreiben sexuelle Identität in ihrem 2014 erschienenen Werk ‚Sexuelle Orientierung‘ wie folgt: „Sexuelle Identität bezeichnet die Identität, die ein Mensch ausgehend von seiner sexuellen Orientierung entwickelt. Diese Entwicklung wird von der individuellen gesellschaftlichen und kulturellen Situation, in der er sich befindet und lebt, und interventional durch weitere Aspekte seiner Identität beeinflusst.“[1] Es wird aus diesen Definitionen deutlich, dass die sexuelle Identität weit mehr als die sexuelle Orientierung ist.

Stefan Timmermann beschreibt im ‚Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung‘ die sexuelle Identität wie folgt: „Alter, ethnische und soziale Herkunft, Geschlecht und Sexualität tragen ganz wesentlich zur Bildung der Identität bei. Die sexuelle Identität ist das grundlegende Selbstverständnis der Menschen davon, wer sie als geschlechtliche Wesen sind – wie sie sich selbst wahrnehmen und wie sie von anderen wahrgenommen werden (wollen). Sie umfasst das biologische, das soziale und auch das psychische Geschlecht sowie die sexuelle Orientierung.“[2]. Weiterhin führt Stefan Timmermann aus, dass die sexuelle Identität kein statisches Konzept ist, sondern sich im Laufe des Lebens ändern kann[3]. „Eine Identität aufzubauen ist nicht nur eine individuelle Leistung, wir alle nutzen mehr oder weniger traditionelle Beispiele und Rollenmuster, um uns zu orientieren und eine Indemnität zu formen, die zu uns passt“.[4]

 

 

Ein weiterer Punkt, der die sexuelle Identität ausmacht, ist die „Ethik, Moral und Werteorientierung als Bereich der sexuellen Identität zu thematisieren“[1], wie Uwe Sielert in dem ‚Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung‘ anmerkt.

Auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet Ungleichbehandlungen aufgrund der sexuellen Identität. Dabei wird der Begriff der "sexuellen Identität" weit gefasst und bezieht sich auf die sexuelle Beziehung einer Person zu einer anderen. Schwule, Lesben, Hetero- und Bisexuelle sollen sich mit gegenseitiger Wertschätzung begegnen.[2]

 

Sexuelle Orientierung ist die „Ausrichtung der sexuellen und emotionalen Bedürfnisse eines Menschen auf andere Menschen des gleichen oder des anderen Geschlechts oder auf beide Geschlechter. Dabei wird die gegengeschlechtliche Orientierung als heterosexuell, die gleichgeschlechtliche Orientierung als homosexuell und die auf beide Geschlechter bezogene Orientierung als bisexuell bezeichnet“[1].

Pansexuelle Menschen hingegen begehren und/oder verlieben sich in Menschen unabhängig von deren Geschlecht.

Hierzu gibt es weitere Orientierungen, wie zum Beispiel Asexualität. Dabei hat die Person kein Interesse an sexuellen Handlungen, genauer gesagt fehlt das „Verlangen“[2] danach. Eine weitere Form ist die Aromantik. Hierbei verspüren die Personen keine romantischen Anziehungen gegenüber anderen Personen.

 

Das KSOG - `Klein Sexual Orientation Grid` beschreibt die sexuelle Orientierung etwas detaillierter. Denn hier kommen die sexuelle Anziehung, Sexualverhalten, sexuelle Fantasien, emotionale Liebe, soziale Vorliebe, Lebensstil und Selbstidentifikation zusammen. Auch ist der zeitliche Faktor mit einbezogen. Es gibt für diese Darstellung kein ‚Ergebnis‘ oder eine Skala, wie homosexuell, bisexuell, asexuell oder heterosexuell ein Mensch ist. Das Leben ist wandelbar, sowie die Bedürfnisse sich ändern können. Goth und Kohn verweisen in ihrem Buch auf Diamond, der das Wort „Fluidität“ verwendet. Dies steht aber nicht in Konkurrenz zur sexuellen Orientierung, sondern erweitert diese.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Coming Out und die Identitätsentwicklung verschiedene Prozesse sind, die aber eng miteinander zusammenhängen und nicht immer abgeschlossen sind.


[1] Sielert, U. (2005): Einführung in die Sexualpädagogik. BELTZ Studium: S. 79

[2] Göth, M.; Kohn, R. (2014): Sexuelle Orientierung-in Psychotherapie und Beratung. Springer Verlag S. 6

[3] Sielert, U. [Hrsg.]; Schmidt, R. (2008): Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung. Juventa Verlag: S. 261

[4] Vgl. Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung 2008: S. 261

[5] Sielert, U. [Hrsg.]; Schmidt, R. (2008): Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung. Juventa Verlag: S. 263

[6]Sielert, U. [Hrsg.]; Schmidt, R. (2008): Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung. Juventa Verlag: S. 44

[7] Antidiskriminierungsstelle des Bundes: verfügbar unter:

http://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ThemenUndForschung/Recht_und_gesetz/Diskriminierungsmerkmale/sexuelle_identitaet/sexuelle_identitaet_node.html,

[8] Göth, M.; Kohn, R. (2014): Sexuelle Orientierung-in Psychotherapie und Beratung. Springer Verlag: S. 6

[9] Queerulant_in: Das Glossar: verfügbar unter:

 

http://www.queerulantin.de/?page_id=1007

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